Samstag, 31. Mai 2014

Etappe 14.2 von Zemmer nach Kordel



Nachdem wir nun den ersten Streckenabschnitt der 14. Etappe bereits erwandert hatten, stand heute die 2. Hälfte an.

Das Wetter war erneut einfach nur traumhaft und so machten wir uns wieder auf den Weg – diesmal allerdings wieder nur zu viert. Unsere Wanderbegleitung vom ersten Abschnitt hatte zwar geplant, mit uns zu wandern, aber für sie hatte sich kurzfristig eine andere Möglichkeit ergeben. Also zogen wir diesmal wieder alleine los.

Das Auto stellten wir wieder am Gasthof Rothaus ab bzw. auf dem etwa 100 Meter weiter entfernten Waldparkplatz. Von hier aus starteten wir kurz vor 11 Uhr und passierten dabei den Gasthof unmittelbar.


Ein geteerter Landwirtschaftsweg führte uns hinüber nach Zemmer, vorbei an frisch gemähten Wiesen, wo das Heu so wunderbar duftete.



In Zemmer selbst beobachteten wir emsige Bewohner, die ihre Obstbäume bzw. dessen Wiesen pflegten. Im Ort angekommen, entdeckte Herrle einen Trekker und er wunderte sich, wie der wohl dorthin geraten war.



Wir folgten nun der Hauptstrasse für etwa 200 m nach links, ehe wir in den Anschlußweg nach rechts abbogen. Schnell hatten wir Zemmer hinter uns gelassen und wanderten nun an Streuobstwiesen entlang auf den Wald zu. Die Wege im Wald waren breit und kerzengerade, nicht gerade abwechselungsreich aber der schöne Wald zur Linken und Rechten machte das öde Geradeauslaufen ein wenig erträglicher. Hier wurde der Wanderer zwischendurch mittels Infotafeln über den Wald und dessen Bäume informiert, woher der Baum stammte, wie alt dieser werden konnte und für welchen Zweck er einmal gepflanzt wurde.
 






Oberhalb von Rodt öffnete sich der Wald und gab den Blick frei hinüber zur Mosel. Da wir recht spät gestartet waren, bot sich hier nun die Mittagspause an, die wir an einer Liegebank dann auch abhielten. Momo und ich wurden derweil an den angrenzenden Bäumen angeleint, damit wir nicht in der prallen Sonne liegen mussten. Der Schatten und das saftige Gras kühlten uns wunderbar und so schlossen wir genussvoll unsere Äugeleins, während Herrle und Fraule sich dem Proviant widmeten.

Von der Bank hatte man eine tolle Aussicht, die besonders durch das Kornfeld direkt vor uns untermalt wurde. Weiter rechts konnte Herrle dann einen Holzturm erkennen, von wo aus man ganz sicher einen fantastischen Weitblick erlangen konnte.



Nachdem der Proviant verzehrt war, schnallten wir wieder unser Gepäck und zogen weiter – zum Aussichtsturm. Ich durfte da aus Sicherheitsgründen nicht mit hinauf und wartete geduldig mit Momo und Fraule unten am Turm, während Herrle die 102 Stufen emporstieg.



Wooooooowwww…..was für ein Blick! Egal in welche Richtung man sich wendete, von diesem Turm aus konnte man in alle Richtungen kilometerweit blicken. Auf der einen Seite das Moseltal, auf der anderen Seite die Ortschaft Rodt.


Ob Paul heute im Café wäre? Paul gehört zum Café am Eifelsteig, wo wir letztes Mal unsere Einkehr abgehalten hatten. Ich würde später mal vorbeischauen und freundlich „Hallo“ sagen, aber zunächst musste ich noch ein wenig warten, denn Fraule wollte auch die wundervolle Aussicht geniessen. Während Fraule nach oben stieg, hatte Herrle im angrenzenden Feld wieder neue Motive gefunden und knipste dieses schöne Arrangement von Mohnblume an Wildblumen.
 

So, nachdem nun alle diesen Turm erklommen hatten, ging es endlich weiter. Wir erreichten nach wenigen Metern Rodt und Herrle lief mal eben schnell vor, um zu schauen, ob das Café geöffnet hatte – hatte es aber leider nicht. Paul, wie ich später erfuhr, hatte heute seinen freien Tag. Also kein Geschnacke unter Hundebuddies, stattdessen ein Foto aus der (nicht allzu weiten) Ferne – da wohnt Paul ;-)

Café am Eifelsteig
Wir passierten Rodt an der unteren Seite und stiessen nach wenigen hundert Metern auf die Hauptstrasse, dessen Verlauf wir für etwa 150 Meter nach rechts folgten, ehe ein kleiner Wegweiser andeutete, dass wir nach links in die Wiese abbiegen mussten. Kaum dass wir Rodt hinter uns gelassen hatten, erblickten wir schon die ersten Häuser von Schleidweiler, dazu ein paar glückliche Pferde und auch glückliche Kühe.





Wobei……ALLE waren da doch nicht so glücklich, denn dieser Jungspunt hier, hatte irgendwie den Anschluß an seine Herde verpasst und fand nicht den Ausgang von der Weide. Während die Herde schon oben auf der Höhe angelangt war, suchte er noch verzweifelt den richtigen Ausgang. Als er diesen endlich fand, galoppierte er wie ein Rennpferd den Hang hinauf.




 
Wir tauchten nun wieder in den Wald hinein und der Weg führte uns langsam aber stetig hinunter ins Kylltal. Nach etwa 20 Minuten erreichten wir die Deimlingermühle, wo wir zunächst die Bahngleise und gleich darauf die Kyll überquerten. Hier gab es, abhängig von der Wetterlage, zwei Wegeführungen. Bei trockenem Wetter folgte man der Eifelsteigbeschilderung und bog nach links ab, um unmittelbar am Ufer der Kyll zu wandern. Nach längeren Regenphasen wird hingegen empfohlen, dem Radwanderweg zu folgen.


Deimlingermühle
Da das Wetter aber die letzten Tage schon nahezu perfekt war, entschieden wir uns, den Weg entlang der Kyll zu nehmen. An einer etwas abgeschiedenen Stelle nahmen Momo und ich geschwind ein kühlendes Vollbad, ehe wir dann an der Bahntrasse entlangliefen. Der Eifelsteig wurde hier mühsam oberhalb des Radweges in den Hang gegraben, damit Wanderer und Radfahrer nicht kollidierten. Nur dort, wo Felsen eine alternative Wegeführung nicht möglich machten, mussten wir den Radweg beschreiten. Es war aber relativ wenig los und dieser Abschnitt währte auch nicht lange, ehe ein Wegweiser nun unmissverständlich zeigte, dass es jetzt steil werden sollte.

nach dem kühlen Bad




Herrle und Fraule – nicht mehr die Allerjüngsten – konnten meinem Tempo nichts mehr entgegensetzen und so zog ich dann schon mal vorweg um mir den weiteren Verlauf anzuschauen. Immer wieder pfiff Herrle mich zurück, aber was kann ich dafür, wenn er so träge ist?



Apropos träge, Herrle murmelte die ganze Zeit etwas von Hängebrücke. Darauf hatte er sich schon die ganze Wanderung gefreut. Aber nun musste Herrle feststellen, dass wir bereits den Ortsrand von Kordel  erreicht hatten und irgendwas passte hier nicht so recht zusammen. Gemäß Tourenplan musste nach der Hängebrücke noch eine Wegstrecke von ca. 5 km zurückgelegt werden – so Herrles Informationen. Wie aber sollten wir noch 5 km wandern, wenn wir doch schon vor den Toren Kordels standen?

Ein Blick ins Tourenbuch brachte die Lösung. Herrle hatte mal wieder gepennt. Die Hängebrücke kommt erst auf der letzten Etappe, also HINTER Kordel und nicht, wie er fälschlicherweise annahm, schon VOR Kordel. Jaja, das ist mein Herrle, immer wieder für eine Überraschung gut. Also keine Hängebrücke heute. Was er als Hängebrücke vermutete, war einfach nur eine Brücke und zwar die an der Deimlingermühle. Mir war es Recht, denn so eine Hängebrücke kann ganz schön tückisch sein. Keine Ahnung, was Herrle daran soooooo toll fand. Ich für meinen Teil jedenfalls mache 3 Kreuze, wenn ich diese endlich hinter mich gebracht habe.

Links unterhalb vernahmen wir fröhliches Kindergelächter, das vom Freibad hinaufschallte. Statt Vollbad bekamen wir dann nochmal einen ordentlichen Schluck Wasser aus der Pulle und kurz darauf öffnete sich der Wald am Ausblick „Kaulay“, wo wir einen schönen Blick über Kordel geniessen konnten.


Achtung an Hundebesitzer: hier am Aussichtspunkt liegen vermehrt Glasscherben herum, die wohl Jungendliche beim Feiern hinterlassen haben!

Wir verliessen die Kaulay, nicht dass sich einer der Hunde doch noch verletzte, und liefen dem Hang entlang. Nach einiger Zeit hätte unsere Wanderung beinahe eine tragische Wendung genommen, ein Baum war umgestürzt und versperrte nun den Weg. Wie gut, dass Herrle eben erst seine „Akkus“ aufgeladen hatte und uns dann den Weg wieder freigeräumt hatte. Ansonsten hätten wir umkehren und den ganzen Weg wieder zurücklaufen müssen! So aber ging unsere Reise wie geplant weiter und nun erreichten wir die imposanten Buntsandsteinfelsen von Kordel.

Los Sklave.....so räume er mir den Weg frei ;-)

ein Hauch von Pfälzer Wald



Haushoch schossen diese wie aus dem Nichts empor, leuchtend rot und man konnte sehr deutlich die einzelnen Schichten erkennen. Hier war die Natur allein der Architekt und Baumeister und wir können diesen Anblick sicher noch viele Jahre geniessen. Einfach nur beeindruckend, was die Kräfte der Natur so alles schaffen. Könnt ihr euch vorstellen, dass hier in den Felsen mal jemand gewohnt haben soll? Ich jedenfalls kann es nicht, aber diese Tafel hier bezeugt etwas anderes. Meine Güte, da ist meine Hundehütte ja mit mehr Komfort ausgestattet, als dieses „Bruderhäuschen“ jemals hatte.
So ändern sich die Zeiten, dachte ich so bei mir und ich war heilroh, dass ich mit meinem Zuhause echt einen Volltreffer gelandet hatte. Mitten in den Felsen wohnen, ohne warmes Plätzchen – NIEMALS!




Das Ziel unserer heutigen Reise liegt vor uns. Durch eine schmale Gasse gelangten wir hinunter in den Ort, wo wir zunächst durch die Oberstrasse, dann Hauptstrasse und Kreuzfeld in Richtung Bahnhof schlenderten. Hier am Bahnhof hatten wir unser 2. Auto abgestellt, direkt neben einem Biergarten. Wie praktisch dass doch war. Wir nahmen auf der Terrasse des „Alten Bahnhofes“ Platz wo Herrle und Fraule sich ein kühles Weizenbier gönnten – natürlich alkoholfrei.






Nachdem der erste Durst gelöscht war, beschloßen Herrle und Fraule gemeinsam, dass man jetzt zurückfuhr nach Rothaus, wo das 1. Auto ja geparkt war und dass man sich dort in den Biergarten setzte, um eine deftige Mahlzeit zu geniessen.

Wir beide, also Momo und ich, durften derweil mit in den Biergarten und legten uns zufrieden und seelig unter den Tisch. Herrle beobachtete derweil noch eine Bachstelze, die im Innenhof des Gasthofes in einer Nische den Nachwuchs aufzogen.





Da war es nur noch eine Etappe. Was im Dezember 2012 begann und als eine fast unbezwingbare Aufgabe vor uns lag, war nunmehr auf eine Winzigkeit von 17,2 km zusammengeschrumpft. Herrle hatte zu Beginn erhebliche Zweifel, ob ich den Eifelsteig in der Gänze schaffen würde, ob die Zeit ausreichen würde dieses Unterfangen bis zum Ende durchzuziehen oder ob mein Krebs schneller sein würde.

Im Moment jedenfalls stehen alle Zeichen supergünstig, so dass ich auch die letzten 17 Kilometer schaffen und gemeinsam mit meinem Herrle in den nächsten Tagen unter den Bögen der Porta Nigra stehen werde. 

Auf geht’s, zum großen Finale. Ich hoffe Ihr werdet mich auf meiner letzten Etappe nochmal alle begleiten. Wer weiß, vielleicht treffe ich ja in Trier auf den ein oder anderen Fan ?!? ;-)

Ich wünsche Euch allen noch eine tolle Zeit. Bis bald mal wieder

Euer Indy