Donnerstag, 30. Mai 2013

Etappe 4 von Einruhr nach Gemünd


Da bin ich wieder - wie versprochen möchte ich euch von meinen neuesten Abenteuern auf dem Eifelsteig berichten. Diesmal jedoch muss ich die Sache irgendwie anders angehen, denn diesmal war alles anders als sonst.
Bisher sind wir jedesmal stets für nur 1 Etappe zum Eifelsteig gefahren und waren Abends wieder zurück im trauten Heim.
Diesmal jedoch wurden Koffer und Taschen gepackt und wir starteten nicht Morgens in der Früh, sondern am Mittwochabend?! Hä - 'ne Nachtwanderung? Wie unsinng ist das denn.....da seh ich doch nix von der schönen Landschaft.
So aber erreichten wir am späten Abend in Gemünd ein Hotel, in welchem wir eincheckten. In welchem Hotel wir gelandet sind, was Herrle und Fraule davon halten und wie es mir gefallen hat - dazu später mehr, denn immerhin sollte dieses Hotel für die kommenden 3 Tage unser Quartier sein - eines vorweg: es war super!!

Kaum angekommen, wurde erstmal das Gepäck aufs Zimmer gebracht, während ich, gemeinsam mit meinem Bruder Momo, erstmal im Auto bleiben musste. Aber dann öffnete sich auch die Heckklappe und wir durften raus.

Wir drehten eine erste kleine Runde in Gemünd, schauten uns schonmal die ersten Gassen an und kehrten dann zurück um uns gleich mal ins Restaurant vom Hotel zu begeben. Herrle sagte etwas von "Geniesser-Tour".

Ganz toll - wir liegen unterm Tisch und oben wird ein Gang nach dem anderen serviert....klar....das können die da "oben" gerne Geniesser-Tour nennen.....wir jedenfalls (also Momo und ich) liegen derweil ohne irgendwas zu Füssen - ein regelrechter Skandal!

Nachdem die "Herrschaften" ihr Mahl beendet hatten gingen wir nochmals kurz vor die Tür. Man was war das ein grauenhaftes Wetter heute. Es regnete nur ein einziges Mal - von Frühmorgens bis spät in die Nacht. Und bei DEM Wetter wollen die wandern??

Der nächste Morgen oder auch - Tag 1 auf dem Eifelsteig ;-)

Als Fraule den Vorhang beiseite schob, traute sie ihren eigenen Augen nicht - Sonne! Der Regen hatte sich verzogen und stattdessen begrüsste uns ein stahlblauer Himmel. Ein perfekter Einstieg ins verlängerte Wochenende.

Aber bevor es endlich auf die Etappe ging, stärkten sich Fraule und Herrle zunächst einmal an dem Frühstücksbuffet. Es schien Ihnen zu gefallen, denn sie langten ordentlich zu. Ist ja nicht meine Figur - nicht wahr?!

Dann wurde der Rucksack noch mit Verpflegung versorgt - dass ebenfalls vom Hotel zur Verfügung gestellt wurde und dann ging es endlich los - in einen Kofferraum!

Nanu, was sollte das denn jetzt? Ich dachte wir würden endlich WANDERN??!?!

Stattdessen öffnete sich an einem fremden Auto der Kofferraum und wir sollten da einsteigen - niemals!! Wo kommen wir denn hin, wenn wir in jeden Kofferraum springen würden, der sich vor uns öffnet?

Naja.....anders ausgedrückt, wenn wir nicht in diesen Kofferraum springen würden, kämen wir heute wohl nirgends hin - also hüpften wir schnell hinein und los gings Richtung Einruhr.

Hier endlich startete die nächste Etappe des Eifelsteiges. Genauer gesagt war es die 4. Etappe, die nun vor uns lag. Mit etwas über 21 km Länge schon ganz ordentlich......für mich aber machbar ;-)

Der Start führte uns gleich eine steile Treppe hinauf und schon kurz darauf konnten wir von oben einen schönen Blick auf Enruhr und den Obersee werfen. Große Hunde (Herrle nannte sie Kühe) lagen und standen auf den Weiden und liessen es sich gutgehen.

Blick über Einruhr

der Obersee bei Einruhr





Den Obersee konnten wir noch eine Zeitlang verfolgen, ehe wir nun in den Wald verschwanden um Richtung Dreiborn zu wandern. Auf dem Weg dorthin durchquerten wir die Dreiborner Hochfläche, ein Gebiet, dass bis vor ein paar Jahren rein militärisch genutzt wurde und somit für Unbefugte strengstens verboten war. Immer wieder stiessen wir auf Schilder, die auf diese Zeit noch hinweisen.

Humor haben die hier schon - irgendwie. "qualmen sollen hier nur deine Socken"


gewollt - alte, umgestürzte Bäume werden sich selbst überlassen

Toll war es hier, die Landschaft floss so friedlich dahin und die ganze Zeit war der Obersee an unserer Seite. Die Wege waren durch den anhaltenden Regen der letzten Tage reichlich aufgeweicht. Es war nicht immer einfach, den rechten Weg zu folgen ohne einen Ausrutscher zu riskieren. Dann wechselte die Landschaft und schroffe Felswände umgeben von wuchtigen Wäldern prägten das Bild. Hier war es wirklich schön und ich muss schon sagen......hier könnte ich öfters verweilen ;-)






Aber was war das? Etwas Gelbes erregte meine Aufmerksamkeit. Herrle wäre glatt dran vorbeigelatscht, hätte ich nicht meine feine Nase eingesetzt. Fraule nannte es Bau(m)schaum, Herrle einfach nur Pilz und ich.....hm....interessant.....so glitschig und doch fest.....und gerochen hat es ebenfalls....aber irgendwie nicht näher definierbar.




Nachdem ich dieses "Etwas" lange genug untersucht hatte, rief Herrle nach mir und weiter gings. Jetzt wurde es langsam steiler. Etwa auf halber Höhe bogen wir links auf einen schmalen Felspfad, gesichert durch ein Geländer, ab, welcher uns auf direktem Wege zur Urftstaumauer brachte.



WOW......was für riesiges Hundebad. Schau Herrle.....sowas könntest du uns auch mal bauen, dann müssten wir nicht aus dreckigen Tümpellöchern saufen sondern könnten erst eine schöne Runde schwimmen und dann noch etwas schlabbern - aber nein.....wir bekommen zuhause ja nur so einen ollen Blechnapf hingestellt, wo Wasser drin ist.



Oberhalb von der Urftstaumauer erreichten wir dann eine super Sitzgelegenheit, wo wir unsere erste ausgiebige Rast einlegten. Jawoll und hier bekamen wir jetzt endlich mal was zu futtern, wurde auch Zeit. Ich bin nicht mehr der Jüngste und auch an mir nagt der Zahn der Zeit. Da könnte Herrle gut mal ein wenig fürsorglicher sein....na das werde ich ihm noch beibringen ;-)


Nachdem alle gestärkt waren (schaut mal wie gierig er in seinen Apfel beisst) ging es weiter Richtung Wollseifen.


Auf dem Weg dorthin durchstreiften wir offenes Heidegelände. Der Ginter setzte gerade an, sein Eifelgold zu entfalten. Wird wohl noch ein paar Tage dauern, ehe es soweit ist. Nur hin und wieder standen einige Sträucher geschützt genug und zeigten schonmal einen Vorgeschmack auf das, was in den kommenden Tagen und Wochen hier oben passieren sollte.




In der Ferne erkannten wir bereits ein grosses Bauwerk - nette Hundehütte dachte ich noch, aber es musste was anderes sein. Herrle und Fraule unterhielten sich sehr angeregt und es klang ein wenig bedrückt.....Vogelsang - was bitte soll das denn sein? Da wir dieses "Gebäude" später noch direkt erreichen sollten, möchte ich die Sache hier erstmal auf sich beruhen lassen.



Also zogen wir weiter, Schafe blökten in der Ferne und....YAMMIE......lecker Köttel - quasi ein "Snack-To-Go" mitten auf dem Eifelsteig. Na jetzt gefällt es mir hier so richtig gut, da werde ich mir doch gleich mal einen gönnen.....

"DENK NICHT EINMAL DARAN" ertönte plötzlich eine Stimme neben mir. Meinte er wirklich mich? Mich, den liebsten aller Hunde? Der muss sich vertan haben, der meint bestimmt Momo, da bin ich ja beruhigt und kann doch gerade mal schnell....

"INDY PFUUUUUUIIIIIIIIIIIII!!!!!!"

Shit.....der meinte wirklich mich. Och nö ne.....da liegen soooooo viele Köttels rum, da fällt es doch bestimmt nicht auf, wenn ich mal an einem .....an EINEM nasche....aber nein. Wieder wird mir die Tour vermasselt und ich muss Köttels eben Köttels sein lassen....menno :-(





Stattdessen guckten wir uns nun leere Häuser an, da waren ja noch nicht einmal Fenster und Türen drinne. Wie nannte Herrle es noch gleich - Wollseifen?


Übungsgebäude, erbaut von den Belgiern

die Kirche

ehemalige Schule


das Trafohäuschen

Hier sollen früher einmal Menschen ganz normal gelebt haben, ehe diese 1946 binnen 3 Wochen alle ihre Häuser verlassen und wegziehen mussten. Das britische Militär erklärte diese Zone fortan als Truppenübungsplatz und so wurden die Gebäude nach und nach zerstört. Nur sehr wenige Gebäude haben diese Zeit überstanden, jedoch nicht ohne grössere Schäden davonzutragen. So stehen heute noch vom ehemaligen Dorf Wollseifen:

- die Kirche
- das Schulgebäude
- das Trafohäuschen

Später übernahm das belgische Militär diesen Truppenübungsplatz und errichtete dort weitere Gebäude um darin den Häuserkampf von Sarajevo zu trainieren.




Erst im Jahre 2006 wurde der Truppenübungsplatz aufgegeben und ist seither wieder für die Öffentlichkeit zugelassen. Aber aufgrund der jahrzehntelangen Schießübungen dürfen nur die ausgeschriebenen Wege befahren und begangen werden. Fernab der Wege finden sich heute noch Munition und andere, teils lebensgefährliche Stoffe.

Wir verliessen nun diesen Ort, hier hatte es mir nicht gefallen und tauchen hinab ins Tal. Hier war es wesentlich schöner und die Stimmung war bald wieder fröhlicher, aber leider währte dies nicht lange, denn plötzlich erhob sich ein gewaltiges Gemäuer vor unseren Augen - Vogelsang.







Mir als Hund, war dieser Bau schnuppe.....ja er war riesig und man konnte sich darin verlaufen, aber mehr war es für mich auch nicht. Aber Fraule und Herrle wurden plötzlich still. Überall waren Tafeln angebracht, die dieses Gemäuer in einer Zeit zeigten, die wie ein Fluch über diesem zu hängen schien. Zwar war man nun bemüht, die Gemäuer anderweitig zu verwenden, aber dazu brauchte es noch Zeit und die Arbeiten dazu befanden sich im vollen Gange. Diese ehemalige Ordensburg ist ein Gebäudekomplex, der einerseits völlig fesselnd, aber andererseits ebenso abstossend wirken kann.

Man benötigt dieses Gebäude dringend für den Tourismus aber ihn bewerben mag bzw. kann man nicht, da dieser dunkle Schatten allgegenwärtig ist.

Der Betreiber des Hotels, wo wir untergebracht waren, wusste ebenfalls um die Bedeutung von Vogelsang, trotzdem oder gerade deswegen findet sich auf dessen Homepage keinerlei Verweiß auf Vogelsang. Wer möchte schon mit einer Vergangenheit Werbung betreiben, die darauf aus war, grosses Unheil über die Menschheit zu bringen?

Gottseidank verstand ich von alledem nichts und konnte mich so halt nur darüber wundern, warum Herrle und Fraule immer stiller wurden - richtig beklemmend war das. Hatte ich was angestellt??

Nein....diesmal war ich ausnahmsweise nicht der Übeltäter, dafür hatte jemand ganz anderes gesorgt.

Gottseidank verliessen wir nun endlich diesen Ort aber er war so gewaltig, dass er sogar noch aus grösserer Entfernung sichtbar blieb und uns unwohle Schauer über den Rücken jagte.

Es ging talwärts und nach einem kurzen, steilen Abstieg stiessen wir nun auf einen breiten Bohlenweg, der sich in Stufen seinen Weg durch die Natur suchte. Man war schon einfallsreich hier in der Eifel. Geht der Weg aus, baut man einfach schnell einen Neuen. Machte sich aber wirklich gut und erinnerte kurz an die Venn-Passagen auf den Etappen 1 und 2.



Kaum unten angekommen, ging es auch schon wieder bergauf, Richtung Aussichtspunkt Kickley.

Hier trafen wir eine Wanderin, die sich bereiterklärte, ein Bild von uns allen gemeinsam aufzunehmen. Sonst war das Fotografieren ja Herrle's Job, so war es also sehr schön, dass wir diese Möglichkeit gerne angenommen haben.

Gemünd



Aber schaut euch mal den Gesichtsausdruck von meinem Herrn an......nachdenklich wirkt er dort. Ob es noch Nachwirkungen von Wollseifen und Vogelsang waren? Er hatte es nicht verraten aber ein schönes Bild geht definitiv anders.

Man plauschte noch ein wenig, dann trennten sich die Wege wieder und die Wanderin zog vor uns davon. Aber nur kurze Zeit später sahen wir diese an einem weiteren Aussichtspunkt stehen - einem "Eifel-Blick".

Hier war es schön......saftige Wiesen, wunderschöne Aussicht auf Gemünd - unser heutiges Ziel unserer Etappe. Bald hatten wir es geschafft, aber zuvor legten wir hier oben noch eine weitere Rast ein und kümmerten uns um unseren verbliebenen Proviant. Ich genoß die Pause derweil und legte ein kleines Nickerchen ein......aaaaahhhhhh.....tut das guuuuut. ;-)





So.....jetzt wurde es aber an der Zeit.....weiter gings. Wir nahmen Kurs auf den Ort Morsbach. Ein Pärchen kommt uns entgegen und schwärmt von dem leckeren Kuchen den es dort geben sollte.

Hey Leute....darf ich euch daran erinnern, dass wir vor nicht einmal 10 Minuten eine ausgiebige Pause gemacht haben? Ihr werdet doch jetzt wohl nicht auch noch Kuchen essen wollen??? Herrle muss mein Flehen bemerkt haben und so sind wir nicht in dieses Café eingekehrt.

Für alle anderen aber hier der Tipp: wem es nach Vogelsang nach Kuchen gelüstet, der freue sich auf das Bauerncafé Morsbacher Hof. Dies liegt nur 300 Meter vom Eifelsteig entfernt und ist in Windeseile erreicht ;-)

Wir hingegen bogen nun vor Morsbach links ins Tal ab und bewunderten die Schafe auf der Weide. Interessante "Hunde"......so ganz in weiss mit schwarzem Kopf ;-) Leider durfte ich nur gucken, dabei bin ich ein waschechter Hütehund und hätte nur zu gerne.....






Naja, sollte wohl nicht sein, also ging es brav an der Weide vorbei hinab ins Tal, ehe der Weg noch einmal in einen Wald verschwand. Kurz darauf erreichten wir die ersten Häuser von Gemünd. Wir durchquerten den Ort und huschten über die K70 hinüber auf die andere Dorfseite.

Dort führte uns eine kleine Nebenstrasse oberhalb der Häuser von Gemünd am Waldrand entlang, vorbei an der Jugendherberge ging es wieder hinab in den Ort und damit an den Endpunkt unserer heutigen Etappe. Unser Hotel lag nur wenige Meter entfernt und wartete auf uns.

Zum Schluß erspähte ich dann noch dieses Bild. Wem nach den 21 km die Füße brennen, kann sich hier kostenlos die Füße kühlen (und noch so einiges mehr).



Fazit: die Etappe von Einruhr nach Gemünd knüpfte nahtlos dort an, wo die Etappe Monschau-Einruhr endete. Wunderschöne wechselnde Landschaften, die einem die Strecke niemals lang erscheinen liessen. Geschichtsträchtig war diese Route ebenfalls und so wirkte diese Etappe wie ein Trip in die Vergangenheit. Aber auch ein Blick in die Zukunft wurde gewährt und somit war diese Etappe wirklich eine lohnenswerte Tageswanderung.

So....nach den 21 km bruzelten meine Pfoten ein wenig, weshalb ich mich nun zur Ruhe begebe. Am folgenden Tag sollte es ja schon auf die nächste Etappe gehen - dies jedoch ist wieder eine neue Geschichte. Seid ihr dabei?

Wuff
Euer Indy





Kommentare:

  1. Tolle Bilder die schöne Erinnerungen auslösen. Und ja - Vogelsang bewitkt heute noch Unwohlsein. Auch in der Kirche von Wollseifen fühlte ich mich bedrückt. Der Rest der Wanderung, bei mir Teil des Wildnistrails, ist aber umso schöner.

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    1. Hallo Jürgen,
      danke für den Eintrag, ja diese Etappe erlebt man wohl mit gemischten Gefühlen. Aber letztlich überwiegt der positive Teil und ich kann sie wirklich jedem nur empfehlen.

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  2. Gebe Euch Recht. - An den Bohlenweg kann ich mich gar nicht erinnern; der muss wohl neu sein; wir sind damals durch die Matsche nach unten geschliddert. Frag mich, ob Ihr im gleichen tollen Hotel übernachtet habt wie wir :-)

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    1. ja der Bohlenweg sah recht neu aus und ich denke, wäre dieser nicht gewesen, dann wären wir abgesoffen ;-)

      Es gab ohnehin Passagen wo es sauschwer war, auf den Beinen zu bleiben. Ich überlege ernsthaft, ob ich künftig nicht besser einen Wanderstab mitnehme ;-)

      Tja und die Sache mit dem Hotel......sie klärt sich auf. Einfach nur fleissig lesen ;-)

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